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Zwischen Dystopie und Hoffnung – Hochdidaktik in Zeiten von KI (Vortrag)

Künstliche Intelligenz verändert die Praktiken an Hochschulen. Das ist bereits an vielen Stellen in Forschung und Lehre zu beobachten. Oftmals handelt es sich dabei um Schattenpraktiken, da es noch keine klaren Richtlinien für die Nutzung von KI gibt. So nutzen Studierende KI, um sich bei Hausarbeiten helfen zu lassen, ohne dies anzugeben, und ohne zu reflektieren, was das für den eigenen Lernprozess bedeutet. Forschende wiederum lassen sich bei der Literatursuche helfen, ohne zu reflektieren, wie die Ergebnisse verzerrt sein können (ein Phänomen, das wir als „Bot-Delusion” bezeichnet haben). Solche Schattenpraktiken verändern schleichend die Praxis von Forschung und Studium und führen zu disruptiven Veränderungen. Mit diesen Veränderungen beschäftigen wir uns meiner Ansicht nach noch zu wenig. Deshalb habe ich mich sehr gefreut eine Keynote beim 3. Kursleiter*innen- und Coach*innentag (KuCo) der Hochschuldidaktik Sachsen im März 2026 dazu halten zu dürfen. Sie ist hier verfügbar: https://videocampus.sachsen.de/getMedium/default/e554cfa6acb874a3016f89ed22d27474.mp4

Der Vortrag hatte den Titel: „Futures der Hochschulen – Vielfältige Anforderungen in brüchigen Zeiten: Gedankenexperimente als wissenschaftlich fundierte Reflexion hochschuldidaktischer Praxis“. Wie im Titel benannt, habe ich dazu Gedankenexperimente durchgeführt und zwar zusammen mit einem Large Language Model (LLM). Die Idee dahinter war, dass LLMs auf riesige Datenmengen zugreifen und damit offensichtliche Meinungen vertreten, was sie zu guten Sparringspartnern macht. Dabei habe ich – neben den Zukünften – zwei spannende Erkenntnisse gewonnen: 1. Studierende werden vom LLM nicht als Akteure wahrgenommen, wenn es um Hochschuldidaktik geht. 2. In allen Szenarien wurden die negativen Effekte hervorgehoben und die positiven Effekte kaum angesprochen (der Prompt war neutral formuliert).

Was waren die Futures über die ich mir Gedanken gemacht habe?

1. „KI und Hochschuldidaktik“, also die Frage, wie sich die Hochschuldidaktik durch KI verändern wird. Derzeit stehen viele Lehrende vor der Frage, wie sie der neuen Technologie begegnen sollen und welche didaktischen, ethischen oder rechtlichen Implikationen damit verbunden sind. Unklar ist zudem, wie Studierende und Lehrende zu einem verantwortungsvollen Umgang mit KI befähigt werden können, welchen Mehrwert KI für Forschung und Lehre bietet und welche positiven bzw. negativen Effekte KI auf Lehre und Studium haben wird. Dazu bin ich von drei Annahmen ausgegangen: Annahme 1: Hochschulen sind widerständige Institutionen. Annahme 2: KI initiiert einen tiefgreifenden gesellschaftlichen und kulturellen Wandel, der sich auch auf Hochschulen auswirkt. 3. KI ist disruptiv und stellt die Institution Hochschule infrage.

2. „Demokratie und Hochschuldidaktik“: Hintergrund dieser Zukunftsbetrachtung ist, dass die AfD in Sachsen voraussichtlich die nächste Landtagswahl gewinnen wird. Der deutsche Verfassungsschutz stuft die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein, einige ihrer Landesverbände sogar als gesichert rechtsextrem. Die AfD greift demokratische Wertvorstellungen an. Deshalb ist es für Hochschulen, die demokratische Grundwerte vermitteln sollen, zentral, sich über eine Zukunft, in der die AfD weiter an Macht gewinnt, Gedanken zu machen. Dazu bin ich von folgenden drei Annahmen ausgegangen: 1. Es gibt weiterhin demokratiefeindliche und rechtsextreme Anfeindungen der Hochschulen und damit der Hochschuldidaktik, aber gemäßigte Kräfte überwiegen. Annahme 2: Der Rechtsruck in Deutschland setzt sich weiter fort und bestimmt den Diskurs über Hochschulen, Wissenschaft und Hochschuldidaktik. 3. Die AfD besetzt das Bildungsministerium.

Spannend bei der Nutzung eines LLMs für die Gedankenexperimente fand ich, dass bei klarer Anleitung, wie ein Gedankenexperiment funktioniert, unterschiedliche Szenarien ausgegeben werden. Diese orientieren sich dabei allerdings immer sehr stark an dem Offensichtlichsten, auch wenn im Prompt explizit nach sehr abwegigen Szenarien gefragt wird. Das liegt an den Modellen selbst und muss bei der Nutzung berücksichtigt werden. Ganz im Sinne: Technik ist nicht neutral!

Isabel Steinhardt
Isabel Steinhardt

Nur der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International nutzbar. Alle anderen Elemente (Abbildungen, importierte Anhänge) sind „Alle Rechte vorbehalten“, sofern nicht anders angegeben.


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Isabel Steinhardt (18. Mai 2026). Zwischen Dystopie und Hoffnung – Hochdidaktik in Zeiten von KI (Vortrag). Sozialwissenschaftliche Methodenberatung. Abgerufen am 8. September 2026 von https://doi.org/10.58079/1685m


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